Schützenswertes Vogelparadies: Sensible Elzwiesen

 Beeindruckend sieht es in den Elzwiesen aus, wenn die Wiesenwässerungen stattfinden. Zugvögel finden sich in dem Wiesengebiet zwischen Kenzingen und Rust ein und bieten nicht nur Naturinteressierten ein beachtenswertes Schauspiel. Die Bedeutung der Elzwiesen für die Natur und deren Schutz wird zu dieser Zeit ganz besonders deutlich. Während der Wiesenwässerungen und der Brutzeit der Wiesenbrüter zwischen März und Juni ist das Schutzgebiet aber auch besonders sensibel.

Die Elzwiesen

Die Elzwiesen sind seit 1990 Naturschutzgebiet. Das Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 410 ha entlang der Elz zwischen Rust, Rheinhausen und Herbolzheim. Besonders große Wichtigkeit kommt diesem Gebiet dadurch zu, dass immer weniger vergleichbare, großflächig zusammenhängende Grünlandgebiete vorhanden sind.

Das Besondere der Elzwiesen ist aber nicht nur der Wert für den Naturschutz, sondern gleichzeitig auch die kulturhistorische Relevanz. Mit ihren bereits im 19. Jahrhundert angelegten Bewässerungsanlagen zeugen die Elzwiesen von einer alten Tradition, der sogenannten Wiesenwässerung, die auch heute noch aktiv genutzt wird und sich vorteilhaft auf die Natur auswirkt. Wasser wirkt als natürlicher Langzeitdünger und fördert die Bodenbildung. Um die Erträge zu steigern baute man deshalb, vor der Nutzung des industriell hergestellten Düngers, Systeme aus Wassergräben und Stellfallen und sorgte so dafür, dass die Wiesen in regelmäßigen Abständen bewässert wurden. Dieser Bewirtschaftungsform kommt heute vor allem ein positiver Effekt für den Naturschutz zu. Die bei der Wässerung flach überstauten Flächen sind Futterquelle und wichtiger Rastplatz während des Vogelzugs von vielen, heute selten gewordenen Vogelarten. Durch den Verlust naturnaher Auelandschaften mit Überschwemmungsflächen, durch Bebauung und Infrastruktureinrichtungen wie Stromleitungen sowie durch vermehrte Nutzung der Böden als Ackerland schwinden die Brut- und Rückzugsorte sowie Rastplätze für viele Vögel in ganz Europa.

Die Elzwiesen sind auch einer der wenigen Lebensräume von Wiesenbrütern wie dem Großen Brachvogel, der als Lebensraum ausgedehnte, feuchte Wiesen benötigt. Als Bodenbrüter bauen sie ihr Nest in Mulden und ernähren sich von Regenwürmern und Insekten, wie Käfern, Heuschrecken und Schmetterlingsraupen, die sie in den Wiesenflächen aufpicken. Zugvögel, wie der Silberreiher oder die Bekassine finden in den Elzwiesen einen geeigneten Rastplatz. Die gewässerten Wiesen bieten auch ihnen Futter und die Vögel können genug Energie für den Weiterflug in ihr Brut- oder Überwinterungsgebiet sammeln.

Manchmal konzentrieren sich Hunderte dieser Vögeln in den Elzwiesen. Spaziergänger können sich auf den freigegebenen Wegen vom Artenreichtum in den Elzwiesen überzeugen.

Um dieses Idyll zu erhalten, ist es notwendig, Maßnahmen für den Schutz des Gebietes zu ergreifen. Die Elzdämme werden während der Brutzeit vom 1. März bis zum 30. Juni für Fußgänger und Fahrradfahrer gesperrt. Auch für die Landwirte gelten beispielsweise zeitlich beschränkende Auflagen für die Wiesennutzung. Ganz besonders ist auf die ganzjährige Leinenpflicht für Hunde zu achten. Hunde werden von den Vögeln als Feinde wahrgenommen. Auch wenn der Hund die Vögel nicht jagt, fliehen diese. Im Frühling und Sommer können freilaufende Hunde dazu führen, dass Wiesenbrüter ihr Nest verlassen. Das Gelege wird nicht mehr versorgt und die Jungvögel verhungern oder fallen anderen Tieren zum Opfer. Zugvögel verlieren durch Störungen wichtige Ruhezeiten und Energie für den Weiterflug.

Um den Schutz des Gebiets zu verbessern, wurden vom Regierungspräsidium Freiburg, Referat Naturschutz und Landschaftspflege, der Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Emmendingen und dem Naturzentrum Rheinauen in Rust in Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren verschiedene Maßnahmen initiiert. Um die Besucher zu informieren und auf ihre Verantwortung beim Spaziergang durch die Elzwiesen aufmerksam zu machen, sind beispielsweise seit letztem Jahr Naturschutzwarte im Einsatz. Zudem wurden Informationstafeln ausgebracht, die auf die Einzigartigkeit des Gebietes in der Region aber auch dessen Sensibilität aufmerksam machen. Weitere Maßnahmen, wie die Kennzeichnung eines Rundwegs durch einen weniger störungsempfindlichen Bereich sind geplant.